Ferienzeit ist Lesezeit. Und für mich, neben meiner ungebrochenen Leidenschaft für amerikanische Belletristik, vor allem auch die Zeit, sich wieder vertieft mit verschiedenen Aspekten des Yoga zu beschäftigen.
Bei dieser Gelegenheit bin ich über den Blog von Dr. Ram Jain gestolpert, der sich in dieser Folge mit der Frage nach dem Unterschied zwischen Hatha und Yin Yoga beschäftigt.
Yin Yoga bezeichnet eine Form des Yoga, in denen Asanas sehr lange (bis zu fünf Minuten oder länger) gehalten werden, um die tiefen Muskel – und Gewebsschichten zu erreichen, zu dehnen und für eine verbesserte Blutzirkulation und Auflösung von Energieblockaden zu sorgen. Yin Yoga eignet sich sehr gut für Menschen, die aufgrund von Bewegungsmangel oder Einschränkungen mit Muskelverkürzungen und hartnäckigen Verspannungen zu kämpfen haben. Aber auch für sehr aktive Sportlerinnen und Sportler, die bei einer möglicherweise einseitig belasteten Muskulatur durch das sanfte und lange Dehnen zum wichtigen Ausgleich kommen.
Interessanterweise gibt es laut Dr. Jain im Prinzip zwischen den beiden Yogaarten gar keinen Unterschied, da auch im ursprünglich gelehrten Hatha Yoga alle Asanas lange gehalten wurden. Es galt als Qualitätsmerkmal und war erklärtes Ziel eines Yogis. Es wurde lange an der Ausrichtung gefeilt, sie wurde durch Korrekturen stetig verfeinert und durch das längere Halten entstand erst eine Verbindung von Körper, Geist und Atem.
Diese „alte“ Form der Hatha Praxis hat sich im Laufe von Jahrzehnten verändert. Neue Stile, die zum Teil mit hohem Tempo unterrichtet werden, kamen hinzu. Etwa Ashtanga oder Vinyasa, die für Hitze im Körper sorgen und darüber bestimmte Effekte erzielen. Vielleicht ist es typisch für unsere Zeit, dass sich diese Praxis großer Beliebtheit erfreut.
Vielleicht ist es aber an der Zeit, sich wieder verstärkt dieser langsamen, sehr nach Innen gewandten Praxis zuzuwenden. Jo Phee, eine der Pionierinnen des modernen Yin Yoga und Schülerin von Paul Grilley, weist in einem Interview darauf hin, dass es sehr herausfordernd sein kann, so lange in Stille in einer Asana zu bleiben. Sich in Geduld zu üben, um die feinen Nuancen und Veränderungsimpulse im Körper wahrnehmen zu können. Nicht auf eine spezielle „Form“ der Asana hinzuarbeiten, sondern die Haltung so anzupassen, dass die Dehnung an ihrem „Ziel“ ankommen kann. Jo Phee war eine der ersten, die die Verbindung zwischen Yin Yoga, dem Konzept der Meridiane und dem Ayurveda hergestellt hat.
Ein spannendes Thema.

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